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03.11.2005Heureka - Wenn uns ein Licht aufgeht.

GlühbirneOutsourcing? Externe Dienstleister sind vielen ein Dorn im Auge. Die "Fremdkörper" verfügen womöglich nicht über genügend Fachwissen, identifizieren sich nicht ausreichend mit dem Betrieb. Aber genau das ist auch ihr großer Vorteil und Pluspunkt. Denn zuviel Fachwissen macht betriebsblind - oder mit anderen Worten: "Man kann ein Auto nicht von innen anschieben."
Die aktuelle Ausgabe von Gehirn & Geist (11/2005) widmet sich dem "Aha-Moment", dem Geistesblitz. Was passiert im Gehirn, kann man das steuern, wie wird er möglich? Die Antwort: Eine Verschiebung des Blickwinkels ist oft der Auslöser für einen Geistesblitz. Der Einsichtsforscher Stellan Ohlsson aus Chicago fand heraus: Sind wir mit einem Problem konfrontiert, machen wir uns erstmal ein Bild davon, die so genannte „mentale Repräsentation“. Dafür wählen wir unbewusst bestimmte Aspekte aus, wir betrachten die neue Aufgabe quasi durch die Linse unseres Vorwissens. Doch gerade dieses Wissen verhindert oft, dass wir das Problem in einem anderen Licht sehen und eine Lösung finden.
Mit solch einem Vorwissen lassen sich bekannte Aufgaben schnell und routiniert erledigen. Bei der Lösung eines neuen und fremden Problems ist dieses Wissen dann hinderlich, wenn es so fest verankert ist, dass es keine neuen Blickwinkel zulässt.



Schon 1920 zeigte der Gestaltspsychologe Karl Duncker, dass der gewohnte Gebrauch eines Gegenstands dessen mögliche Alternative einschränkt. Wenn wir also tagein tagaus mit den gleichen Objekten oder Vorgängen zu tun haben, werden wir mit der Zeit „betriebsblind“, wir kommen nicht mehr auf neue Ideen, wie man etwas anders, schneller oder besser machen könnte.

Abraham Lucins wies nach, dass ein wiederholtes Ausführen derselben Lösungschritte dazu führte, dass andere, womöglich einfachere Schritte, ausgeblendet wurden. Er nannte dies ein „Einstellungsproblem“: Sind wir auf eine bestimmte Methode eingestellt, macht uns das blind für effinzientes Vorgehen.

1998 schließlich untersuchte Jennifer Wiley an der University of Pittsurgh in Pennsylvania, ob und wie sehr Betriebsblindheit und Expertenwissen Hand in Hand gehen. Sie fand heraus, dass Personen mit einem ausgeprägten Fachwissen oft in diesem Wissen gefangen sind und dadurch neue Einsichten und Lösungen verhindert werden.

„Man kann ein Auto nicht von innen anschieben“ - das Sprichtwort wird damit wissenschaftlich untermauert. Neue Wege, Lösungen und Ergebnisse lassen sich durch eine Verschiebung des Blickwinkels finden. Diese Verschiebung gelingt am besten, wenn man durch möglichst wenig Fachwissen und Routine vorbelastet ist, sprich: ein Außenstehender ist.



Diese Ergebnisse machen klar, warum es oft sinnvoll ist, kreative Dienstleistungen wie Werbung und PR nach außen abzugeben. Der ungetrübte Blick ohne zu viel Routine und Fachwissen ermöglicht es, neue Ansätze, Blickwinkel und Ideen zu entwickeln.
Auch wenn es gilt, innerbetriebliche Abläufe zu optimieren, werden außenstehende Berater und Dienstleister oft bessere Ergebnisse erzielen, als wenn versucht wird, das Problem intern zu lösen.
EDV-Probleme, Netzwerkschwachstellen und zeitintensive Vorgänge können leichter gefunden, behoben und optimiert werden, wenn der ungetrübte Blick von außen und ohne Vorbelastung kommt.

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